Fahrt nach Natzweiler

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11.03.2009

Wir wurden morgens um 8.00 Uhr in der Bismarckstraße abgeholt und sind um ca. 10.30 Uhr in Natzweiler-Struthof angekommen. Als es endlich mit der Führung losging, wurde mir erst bewusst, wie ernst und schrecklich die Vergangenheit damals war. Ich sah das Thema auf einmal mit ganz anderen Augen, als uns Herr Gleich die ersten schrecklichen Informationen gesagt hat.

Als erstes sind wir an die unterste Baracke gelaufen und Herr Gleich hat uns noch davor einige Informationen mitgegeben was uns in dieser Baracke erwarten wird. Dann gleich im Eingang sind wir an einem großen Ofen vorbei gegangen, wo früher die Leichen verbrannt wurden, um sie möglichst effektiv zu entsorgen. Wir wurden darauf informiert, dass durch das Verbrennen der Leichen die Energie genutzt wurde um warmes Wasser herzustellen. Hinter dem großen Ofen hingen noch ein paar Haken an der Decke wo die Häftlinge aufgehängt worden sind.

In dieser Baracke gab es noch einige Hinrichtungsräume mit einem Abfluss und ein Raum der mich ganz besonders abgeschreckt hat, der so genannte Experimentierraum. In diesem Raum wurden mit den Häftling Experimente und einige Versuche durchgeführt. Diese Baracke hatte auch einen Keller, der dazu diente wenn sie mit der Verbrennung der Leichen nicht hinterher kamen, dass sie dort die Leichen stapeln konnten.

Dann sind wir zur nächsten Baracke gelaufen die hauptsächlich zur Behausung diente. Doch in einem Zimmer wurden zehnmal soviel Häftlinge gehalten wie eigentlich für ein Zimmer dafür vorgesehen war. In dieser Baracke gab es außerdem sehr viele kleine Zellen in dem die Häftlinge ihre letzten drei Tage verbringen mussten. Eine solche Zelle war ca. 1,50 m hoch. Die Häftlinge konnten also drei Tage lang sich nicht strecken. Die Häftlinge durften also drei Tage lang die Zelle nicht verlassen, das heißt, sie konnten nicht auf die Toiletten und bekamen nichts zu essen und zu trinken. Doch das war leider nicht alles! In eine solche Zelle wurden nicht nur ein Häftling, sondern drei Häftlinge eingesperrt. Die drei Häftlinge konnten sich in ihren letzten Tagen kein bisschen bewegen!

Der Tod war für die Häftlinge eine Befreiung! Und genau das war das Ziel der Täter. Sie wollten einen reibungslosen Ablauf einer Hinrichtung.

Zum Schluss sind wir noch zu dem öffentlichen Hinrichtungsplatz gelaufen. Hier wurden Häftlinge die sich nicht an die Vorschriften gehalten haben erhängt und tagelang hängen gelassen als Abschreckung für die anderen Häftlinge.

Weitere Fakten:

Das KZ wurde von 8 Wachtürmen, die Tag und Nacht besetzt waren, und von einem doppelten Stacheldrahtzaun gesichert, von denen einer mit Strom geladen war. Ebenfalls bewachten stets Soldaten mit Kampfhunden die innere Seite des Stacheldrahtzauns. Im Zentrum des Komplexes befanden sich mehrere Hinrichtungsplätze. Außerdem standen dort 17 Baracken, von denen bis heute vier Stück übrig geblieben sind. An jedem der Plätze eines zerstörten Gebäudes befindet sich nun ein Gedenkstein für ein anderes KZ irgendwo in Europa.

Jede Baracke war ca. vierzig Meter lang und zwölf Meter breit. In jede passten ungefähr 250 Personen, doch die SS zwängte mehr als 1000 Häftlinge in ein solches Gebäude, was kaum möglich schien, da sich selbst 200 Schüler nur mit Mühe und Not hineinbegeben konnten. Diese Gefangenen mussten im Sommer jeden Morgen um vier und jeden Winter um sechs Uhr morgens zum schier grausamen und menschenunwürdigen Appell antreten ? egal bei welchem Wetter und in welchem seelischen und körperlichen Zustand sie sich befanden. Danach wurden sie den ganzen Tag über zu Schwerstarbeit im Steinbruch verdonnert mit gerade mal einer wirklich sehr kurzen Mittagspause und scheußlichem Essen. Abends ging es wieder zu dem schrecklichen Appell.

    

Die Schüler strömen zum Eingangsbereich

 

Eingangsbereich:

 

Sehr interessiert und aufmerksam folgten die Schülerinnen und Schüler den Ausführungen der jeweiligen Lehrkraft:

 

Der Verbrennungsofen, dessen Kapazität schon früh ausgeschöpft war:

 

Sichtlich bestürzt stehen sie vor dem "Verbrennungsofen"

 

Das Aschenlager, in welchem unzählige sterbliche Überreste verscharrt worden sind:

 

Immer wieder die "vergitterten Aussichten", dessen Draht ehemals unter Hochspannung stand:

 

Der Exerzierplatz mit Galgen. In den Loren wurde das Gestein im  Steinbruch transportiert:

 

Aufmerksam wurden die Beschreibungen und Erläuterungen von den Schülern gelesen:

 

"Versuchstisch", auf welchem die Häftlinge unsagbare Schmerzen erdulden mussten. Ohne Betäubung wurden an ihnen medizinische  Versuche durchgeführt:

   

Verließ, in welchem die Häftlinge weder aufrecht stehen, noch sitzen konnten:

  

"Schlafgelegenheiten"

  

So muss man sich die Situation in den Schlafsälen vorstellen.

 

Die Aussicht war trotz Temperaturen unter Null prächtig:

           

Prügelbock:

 

So muss man sich den Grundriss des Lagers vorstellen:

 

Bericht: David Graf, 9d; Bildmaterial: J. Sauter 

Übereinstimmend lobten die aufsichtsführenden Lehrkräfte alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Sie verhielten sich ohne Ausnahme sehr anständig, korrekt und der besonderen Situation in einem ehemaligen KZ-Lager angemessen. Auch beim anschließenden Aufenthalt in Straßburg waren sie verlässlich und in keinster Weise auffällig. Hierfür ein dickes Lob an alle!