Natzweiler-Fahrt
ZurückAm 06. April 2011 besuchten wir das KZ Natzweiler/Struthof in der Nähe von Straßburg.
Abfahrt war um 8.00 Uhr am Busbahnhof in Rottweil. Nach 2 ½ Stunden erreichten wir den Parkplatz des Konzentrationslagers in Struthof. Das Konzentrationslager liegt auf einem hohen Berg, die Straße die zu diesem Berg hinaufführt ist sehr steil und sehr kurvig. Diesen Berg mussten die Häftlinge jeden Tag zum Bergwerk runter und wieder hinauf laufen. Hier mussten Sie die Toten mit sich tragen. Nach kurzer Pause liefen wir zum Eingangstor des KZ's hinauf. Vor dem Tor blieben wir stehen und lauschten den Anweisungen unserer Geschichtslehrerinnen und -Lehrern, wie wir uns auf dem Gelände verhalten sollten.
Jetzt erzählten sie uns von der Landschaft und dass die Offiziere in einer Villa lebten, die sich außerhalb der Anlage befand. Danach gingen wir durch das Tor, welches mit Hochspannungsdrähten und doppelter Stacheldrahtumzäunung gesichert war. Ebenso das ganze Umland. Auf jedem der Baracken waren Scheinwerfer installiert, welche rund um die Uhr leuchteten. Wir wurden über die Baracken aufgeklärt, die für 250 Häftlinge vorgesehen waren. Im Jahre 1944 waren aber bis zu 750 Häftlinge dort eingekellert. Vor dem Haus befand sich der Appellplatz, an dem jeden Morgen und manchmal auch am Abend die Häftlinge antreten mussten und durchgezählt wurden. Nicht nur die Häftlinge sondern auch die Toten und die Kranken mussten anwesend sein. Um die "Anlage" herum waren Wachhäuser aufgestellt.
In diesen saßen die SS- Männer mit scharfer Munition und achteten darauf, dass kein Häftling sich aus seiner Gruppe entfernt und dem Zaun zu nahe kommt, denn dann wurde geschossen. Als nächstes kamen wir zu dem Krematorium in dem die toten Menschen verbrannt wurden.
Vor dem Krematorium war ein Keller in dem bei "Hochzeit" die Toten gestapelt wurden, da im Krematorium zu wenig Platz war.
Uns erklärte man, dass auch Häftlinge helfen mussten die Toten zu verbrennen, denn die SS- Männer beschmutzten ihre Hände nicht. Außerdem erzählten unsere Lehrer, dass die Dorfbewohner berichteten, dass in dieser Zeit der Schornstein rot geglüht haben soll. Als wir das Gebäude betraten herrschte Stille in der Gruppe. Alle waren geschockt von dem Anblick. Rechts lag eine Pritsche, darunter war eine Türe die zum Keller führte. Diese Pritsche diente dazu, die Toten aus dem Keller hochzuholen. Über der Pritsche, sowie rechts und links hingen Namen von Toten. Auf der Pritsche lagen Kränze.
Der eigentliche Verbrennungsofen hatte zwei Öffnungen. Ein Großes wo eine andere Pritsche darin lag um die Toten in den Ofen zu schieben und unten eine kleinere Öffnung um Holz einzuführen.
Vor dem Ofen roch es nach verbranntem Fleisch. Neben dem Ofen stand ein Regal. In diesem Regal lagen noch die Schuhe der Toten.
Hinter dem Ofen sah man heiße Wasserleitungen die nicht für die Häftlinge, sondern für die SS-Männer erhitzt wurden.
An der Decke waren Haken befestigt, an denen die Toten aufgehängt wurden, bevor sie in den Ofen geschoben wurden. In dem Krematorium gab es ein Hinrichtungsraum wo die Häftlinge durch ein Genickschuss getötet wurden. Außerdem gab es einen Raum für Ascheurnen. Hier füllten die SS-Männer die Urnen mit Asche und verkauften diese an die Verwandten.
Der nächste Raum war der "Raum für Versuchsobjekte". In diesem Raum wurden Versuche an den Gefangenen durchgeführt, z. B. Sterilisationen, Experimente mit flüssigem Senfgas, Impfungen mit gefährlichen Typhusbazillen, sowie Experimente mit Phosphorgas. Die Versuche wurden auf dem im Bild zu sehenden Versuchstisch durchgeführt.
Wir gingen geschockt aus dem Krematorium und schauten uns die Gefängnis,- und Krankenbaracken an. Dort gab es ein Prügelbock. Die Häftlinge wurden mit dem Rücken auf den Bock gespannt und ausgepeitscht, wobei sie die Schläge selber mitzählen mussten. Konnten sie dies durch Erschöpfung oder durch Ohnmachtsanfälle nicht mehr, so wurde wieder von vorne gezählt. Oft hatten die Häftlinge danach Gehirnblutungen so wie Knochenbrüche und somit bleibende Schäden.
Haben die Häftlinge nur die kleinsten Vergehen begangen, wurden 18 Häftlinge in einen kleinen Raum gesperrt. Hier gab es kein Essen und keine Toilette. Sie wurden Stunden, aber auch Tage lang eingesperrt.
Noch schlimmer hatten es aber die Häftlinge, die in Heizungsschächte eingesperrt wurden. In ein Heizungsschacht wurden drei Häftlinge eingepfercht. Es war so eng, so dass sie weder sitzen noch stehen konnten.
Da eine Schulkameradin und ich es ausprobierten, konnten wir dieser Aussage nur zustimmen. Am Schluss betrachteten wir noch den Galgen unter dem ein viereckiger Kasten stand. Am Kasten war eine Kurbel angebracht und wenn man gegen diese trat, viel der Gehängte 1 Meter tief und brach sich das Genick. Der Galgen war so positioniert, dass die Häftlinge der Vollstreckung zuschauen konnten.
Jahre später wurden hier viele Gedenkstätten aufgebaut. Der größte Gedenkstein soll an die Häftlinge erinnern. Außerdem ist an jeder Baracke ein Stein aufgestellt. Ein "Doppelkreuz" ist vor dem Krematorium zu sehen. Es soll an die Helfer erinnern, welche aus dem Dorf kamen und auch umgebracht wurden. Zwischen dem Krematorium und dem Gefängnis ist ein riesiges Kreuz auf dem Gras mit Erde, welches an die Toten des Krematoriums erinnern soll.
Anschließend haben wir etwas zur Verpflegung der Häftlinge erfahren: Die Häftlinge bekamen als Tagesration am morgen ½ Liter Tee oder Kaffeeersatz. Außerdem bekamen sie 200g (etwa 2 Scheiben) Brot mit 25g Margarine, 1 Scheibe Salami oder 1 Scheibe Käse. Mittagessen war etwas Suppe mit alten Kartoffelschalen. Oft wurden auch Sägespäne in die Suppe gemischt, damit es nach "mehr" aussah.
Am Ende besichtigten wir das Museum, welches uns den Alltag der Häftlinge noch näher gebracht hat.
Hier waren Zählzettel, Urkunden und Todesbescheinigungen ausgestellt. Außerdem konnte man noch ein Häftlingsoverall sehen. Dieser Bestand aus dünner Leine. An der rechten Brust und am linken Knie trugen alle Insassen ein Kreuz. In dem Kreuz war ein Stück Stoff mit der Farbe des Vergehens eingenäht. Rückfällige hatten noch ein Rechteck über dem Kreuz angebracht. Juden unter dem Dreieck nochmals ein Dreieck, so sah man einen Judenstern. Die Schuhe waren aus Holz. Sie besaßen keine persönlichen Gegenstände. Außerdem bekamen sie eine Nummer zugewiesen.
Als wir das Gelände umgangen waren, besichtigten noch einige die Villa. Die Villa war ein schönes kleines Einfamilienhaus mit vielen schönen Fenstern. In dieser Villa wohnten früher die SS-Männer.
Danach stiegen wir in den Bus und fuhren nach Straßburg.
Der KZ-Besuch hat uns sehr betroffen gemacht. Es war ein sehr interessanter und spannender Tag. Jedoch waren es viele Bilder und schreckliche Gedanken die uns immer wieder zwangen, an die schreckliche Zeit der "Judenvernichtung" zu denken.
Wir sind froh, dass diese Zeit vorbei ist und wir haben die Hoffnung, dass die Menschen auf dieser Welt aus dieser schrecklichen Zeit lernen und sich niemals mehr so etwas Böses antun.
Klasse 9a mit Frau Wiljotti
Raum für Versuchszwecke
(Bericht einer Teilnehmerin)






