Zeitzeugen berichten (Besuch Ehemaliger KZ-Häftlinge)
ZurückSeit mehreren Jahren pflegt die Realschule Kontakte zu den letzten Überlebenden der Nazi-Ära. Jahr für Jahr kommen Überlebende der "Operation Wüste" an die Realschule und berichten den Schülerinnen und Schülern der 9. Klasse aus ihrem Leben:
Der ehemalige KZ- Häftling Eugenius Debrowski hat überlebt. Er hat in seiner Jugend sehr vieles Schlimmes erfahren und traumatische Ereignisse erlebt. Er lebte, sah aber dennoch seinen eigenen Tod vor den Augen. Als Eugenius Debrowski, damals mit seinen 14 Jahren, mit seiner Familie in Warschau (Polen) lebte, war das schon die Zeit, als die Juden wie ?Vieh" in Ghettos getrieben wurden und dort leben mussten. Ein jüdischer Freund von ihm hat sich bei seiner Familie versteckt. Eugenius wurde mit 14 Jahren von der SS verhaftet und in das Konzentrationslager nach Auschwitz- Birkenau gebracht. Er wurde von seiner Familie getrennt und war von nun an auf sich alleine gestellt.
Das "Lagerleben" in Auschwitz war die Hölle für ihn. Jeden Morgen wurde zum Apellplatz gerufen, dort standen sie 4 Stunden oder auch länger. Bei Hitze und eisiger Kälte, mit Unterernährung und körperlicher Schwäche, standen sie und wurden gezählt. Manche KZ- Häftlinge sind durch das sehr lange Stehen an Kreislaufkollaps gestorben oder sie sind jämmerlich erfroren. Denn Schuhe hatten sie keine, ihre Kleidung war so dünn wie zwei Blatt Papier. Eine Identität, davon konnten sie nur träumen. Alle Häftlinge hatten eine Nummer. Debrowski's Nummer war 191 151.
Ein Freund von Debrowski war so am Ende und hat das alles nicht mehr ausgehalten, so dass er gerade zu auf den Hochspannungssicherheitszaun lief und sich dort festhielt. Debrowski weiß nur noch, das sein Freund rot, braun und dann schließlich rabenschwarz und tot zu Boden fiel.
Nach einem Kurzaufenthalt ging es dann in das KZ nach Frankfurt, danach nach Dortriengen. Die Verhältnisse in den KZs wurden immer schlimmer. Das Wasser zum Trinken war verschmutzt und sie mussten Öl-Schiefer mit den bloßen Händen abbauen, sie bekamen Schläge mit Peitschen, aber Eugenius machte auch seine Erfahrung mit Hilfe und Solidarität. Das nächste "Ziel" war Vaihingen, dort musste er auf einem Rotgut arbeiten und bei Tunnelarbeiten helfen. Ein Weihnachten so wie wir es heute kennen, kannte Debrowski damals nicht. 1944 machten er und sein Freund sich auf, Kartoffelschalen zu klauen, um auch ein "Weihnachtsessen" zu haben. Daraus wurde allerdings nichts, weil die SS sie erwischten und mit Gewehrkolben nieder schlugen.
Sein letzter Transport führte nach Dachau: Er wog mittlerweile nur noch 20 kg und litt an starken Depressionen. Aber es war ein Funke Hoffnung da, das amerikanische Militär marschierte in Dachau ein und befreite sie. Debrowski brauchte eine zweimonatige Erholungsphase. Als er dann wieder zurück nach Warschau kam, traf ihn der Schlag. Seine geliebte Heimat war ein Trümmerhaufen. Überall Schutt und Asche, Suchzettel und tote Menschen. Als er sich langsam alles näher anschaute und er sich umdrehte standen seine Mutter und seine Schwester lebend vor ihm. Sie vielen sich in die Arme vor Freude.
Heute lebt Debrowski mit seiner Schwester in Warschau.
Bericht von Luisa Ludwig








